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Wann kommt der Inflation Tsunami?

Trotz dem grenzenlosen Gelddrucken in den letzten Monaten scheint es (noch) keine starke Inflation zu geben. Warum ist das so und könnte eine starke Inflation doch noch kommen?

Jonas Affolter, Affolter Consulting – 10 min Lesedauer

Vorwort

In den letzten Artikeln wurde oft erwähnt, dass die Zentralbanken die Geldmenge stark erhöhen und unser Geld entwerten. Viele fragen sich nun zurecht, warum wir noch keine hohe Inflation sehen. In diesem Artikel wird aufgezeigt, warum wir noch keine erhöhte Inflation feststellen können und warum ein Inflation Tsunami gleich um die Ecke lauern könnte.

«Inflation ist Besteuerung ohne Gesetzgebung.»

– Milton Friedman

Einleitung

Dieser Artikel wurde unter anderem von diesem Video inspiriert, welches sich mit Rückkaufvereinbarungen auseinandersetzt und mit ökonomischen Formeln auf einen ähnlichen Schluss wie dieser Artikel kommt.

Auch wenn die Geldmenge stark erhöht wird, ist diese nicht der einzige Faktor, welcher Inflation beeinflusst. Wenn die neu erschaffene Geldmenge nur auf den Bankkonten liegt und nicht in die Marktwirtschaft fliesst, wird diese die Inflation nicht gross beeinflussen, weshalb die Inflation lange tief bleiben kann. Genau dieses Phänomen können wir momentan beobachten.

Warum wir keine Inflation sehen

Was macht eine Rückkaufvereinbarung?

Um die momentane Situation aufzeigen zu können, müssen wir zuerst über die Rückkaufvereinbarung sprechen. Die Rückkaufvereinbarung ist ein Mittel, welches die Zentralbank nutzt, um die Wirtschaft antizyklisch zu beeinflussen. Dieses Geschäft, mit welchem Zentralbanken Rezessionen bekämpfen wollen, nennt sich Repogeschäft. Das Repogeschäft lässt sich anhand eines Beispiels sehr einfach erklären:

Stellen Sie sich vor, Ihnen gehört eine Produktionsfirma, welche Autos produziert. Für die Produktion brauchen Sie Mitarbeiter und teure Maschinen, welche jeweils eine Million Euro kosten. Am Ende eines Monats merken Sie, dass Sie nicht genug Geld auf dem Konto haben, um Ihre Rechnungen zu zahlen – was nun? Hier kommt das Repogeschäft ins Spiel. Um Ihre Zahlungen trotz Geldknappheit zahlen zu können, verkaufen Sie der Bank eine Ihrer Maschinen für 500’000 Euro und erhalten neben den 500’000 Euro Kredit auch ein Rückkaufrecht. Dieses Rückkaufrecht verpflichtet die Bank Ihnen diese Maschine zu einem späteren Zeitpunkt für 500’000 Euro zusätzlich eines Zinses zu verkaufen. Die Maschine können Sie in der Regel weiterhin benutzen, auch wenn Sie während diesem Zeitraum theoretisch der Bank gehört. Nun können Sie mit diesen 500’000 Euro Ihre Rechnungen bezahlen. Sobald Sie wieder Geld haben, können Sie die Maschine zurückkaufen und Sie haben erfolgreich mit einem sehr niedrigen Zins und wenig Aufwand Ihren finanziellen Engpass überbrückt. Auch die Bank konnte profitieren, da Sie mit minimalem Risiko eine Rendite erzielen konnte.

Das gleiche Spielchen können Banken wiederum bei den Zentralbanken machen. Wenn eine Bank Geld braucht, um zum Beispiel genügend Bargeld zu haben, welches Kunden abheben können, kann Sie gewisse Vermögenswerte verkaufen und erhält dafür einen Kredit.

Diese Vereinbarung können Zentralbanken umdrehen, also anstatt Vermögenswerte zu kaufen, verkaufen sie ihre eigenen Vermögenswerte. Dies wird inverses Repogeschäft genannt und genau so können Zentralbanken die Wirtschaft stimulieren. Beim inversen Repogeschäft erhält die Bank für ihren Kredit einen Gegenwert und einen Zins von der Zentralbank. Sie generiert also Rendite. Je höher der Zins, den sie erhalten ist, desto attraktiver ist es für die Bank, ihr Geld der Zentralbank auszuleihen. Je tiefer dieser Zins ist (momentan ist er sogar negativ!), desto unattraktiver ist es für die Bank Geld an die Zentralbank zu leihen und anstatt dessen leiht die Bank das Geld an Unternehmen und Privatpersonen, welche dieses Geld investieren und den Wirtschaftsapparat ankurbeln.

Alle wollen Geld sparen

Das inverse Repogeschäft ist eine Art der monetären Geldpolitik und wird in jeder Krise aufs Neue eingesetzt. Dieses Mal scheint es jedoch nur bedingt zu funktionieren. Auch wenn Banken zurzeit starke Anreize haben, Kredite zu vergeben und ihr Geld zu investieren, machen sie dies nicht, da sie wenige Investitionsmöglichkeiten sehen: Unternehmenskredite können in Zeiten von Corona riskant sein, Hypotheken bei diesen tiefen Zinssätzen auszuschreiben ist nicht attraktiv und die Aktienmärkte sind auf Höchstständen. Deshalb halten Banken momentan sehr viel Geld und lagern dieses, bis sich Möglichkeiten präsentieren. Ein ähnliches Verhalten sehen wir auch bei Privatpersonen, welche mehr Geld auf die Seite legen, da die Zukunft immer noch unsicher wirkt und man «Just in Case» abgesichert sein will. Da weder Unternehmen noch Privatpersonen Geld ausgeben, ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sehr tief.

Inflation und Umlaufgeschwindigkeit

Da eine tiefe Umlaufgeschwindigkeit, gemessen in der Summe der Transaktionen dividiert durch die Geldmenge, die Inflation senkt, gibt dies eine plausible Erklärung, warum wir (noch) keine Inflation sehen. Das Wort «noch» wurde hier verwendet, weil die Umlaufgeschwindigkeit, sobald Unternehmen und Privatpersonen mehr Vertrauen in die Zukunft haben, wieder steigen wird. Anhand der Umlaufgeschwindigkeit können wir unter anderem auch ziemlich verlässlich das Bruttoinlandsprodukt ermitteln, in dem wir die Geldmenge mit der Umlaufgeschwindigkeit multiplizieren. Wenn wir das effektive, also inflationsbereinigte, Bruttoinlandsprodukt berechnen wollen, müssen wir die beiden Faktoren einfach durch die Inflationsrate + 1 dividieren.

Daraus ergibt sich folgende Formel:

Effektives BIP = (Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit) / (Inflationsrate + 1)

Warum starke Inflation kommen könnte

Änderung der Umlaufgeschwindigkeit

Da die Umlaufgeschwindigkeit früher oder später steigen wird, lassen sich aus der oben aufgestellten  Gleichung mehrere Annahmen machen. Wenn die Umlaufgeschwindigkeit sich um 50% erhöhen würde, was dem Niveau von vor zehn Jahren entsprechen würde, müsste sich aufgrund der Formel eine Kombination dieser Dinge manifestieren:

  1. Das BIP steigt um 50%
  2. Die Geldmenge sinkt um 33%
  3. Die Inflation steigt um 50%

Das wahrscheinlichste Szenario sollte uns allen klar sein, da die Zentralbanken die Geldmenge niemals um 33% senken werden und unser inflationsbereinigtes Bruttoinlandsprodukt, welches jährlich durchschnittlich 2-3% steigt, nicht um 50% steigen wird. Unsere einzige Hoffnung ist also, dass diese Inflation nicht schnell kommt, sondern sich Zeit lässt. Wenn sich die Inflation über mehrere Jahrzehnte ausdehnt, ist dies vertretbar. Wenn die Inflation in den nächsten Jahren kommt, wird diese grosse Folgen für jeden von uns haben. Der einzige Weg uns zu schützen, ist mit knappen Vermögenswerten wie Bitcoin.

Fazit

Unsere Marktwirtschaft hortet zurzeit viel Geld, welches früher oder später ausgegeben werden wird. Wenn dieses Geld plötzlich wieder in Bewegung kommt und die Umlaufgeschwindigkeit schnell wieder ansteigt, ist mit einer starken Inflation zu rechnen. Die Geldpolitik der Zentralbanken wird uns zu einem teuren Verhängnis werden und wir können uns nur schützen, wenn wir gute Wertspeicher wie Bitcoin kaufen.

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Über den Autor

Jonas Affolter ist Geschäftsführer von Affolter Consulting und Bitcoin-Berater. Falls Sie sich mit ihm über die Welt von Bitcoin und seinem Platz in unserer Welt austauschen möchten, kontaktieren Sie ihn unter:

E-Mail: info@jonasaffolter.ch

Web: jonasaffolter.ch

Haftungsausschluss

Dieser Artikel ist nicht als Anlageberatung gedacht und dient nur zu Informationszwecken. Die in diesem Artikel erwähnten Ansichten wurden vom Autor verfasst und können Fehler enthalten.